#MODULIST meets Tag der Verkehrswirtschaft 2019 (IHK)

Boomende Städte, vor allem in den Speckgürteln, steigende Pendlerverkehrszahlen und der wachsende Wirtschaftsverkehr stellen eine höhere Belastung der Infrastruktur dar und machen die Mobilitätswende des Personen- und Güterverkehrs in Deutschland zu einem hoch relevanten Thema für die Zukunft.

Digital und intermodal – Wo liegt der Nutzen von digital gesteuerten Mobilitätsketten?

Der Tag der Verkehrswirtschaft am 19.09.2019 im Ullsteinhaus in Berlin mit Rednern wie z.B. Timon Rupp (Founder & CEO von thedrivery), Gernot Lobenberg (Leiter eMO Berliner Agentur für Elektromobilität) und Katja Kürbis (Projektleiterin autonomes Fahren BVG) beschäftigte sich mit dem Thema des Nutzens von intermodalen, digital gesteuerten Mobilitätsketten und zeigte aktuelle Beispiele und Projekte auf.

Themenschwerpunkt

Zusammenfassend geht es bei dem vorstehend genannten Thema um die intelligente Vernetzung unterschiedlicher Mobilitätsarten. Der Begriff Intermodalität beschreibt dabei den flexibel gesteuerten Wechsel von Verkehrsmitteln. Schwerpunkte der Umsetzung sind das Sharing der Verkehrsmittel, das autonome Fahren, die Vernetzung von Individual- und öffentlichen Verkehr an gebündelten Stationen sowie die Abrufbarkeit aller Mobilitätsarten auf einer Plattform. Erste Schritte in diese Richtung werden durch bereits aktive Projekte praktiziert und getestet. Nachstehend wird eine kleine Auswahl von Projekten in Berlin dargestellt.

Projekt Stimulate: Bei diesem Projekt werden vier hochautomatisierte Fahrzeuge auf dem Gelände der Charité in Berlin eingesetzt, welche einen Teil des Personenverkehrs zwischen den Stationen und Häusern durchführen. Die Hochautomatisation ist eine Vorform des autonomen Fahrens, bei der ein Fahrzeugbegleiter die Fahrten begleitet, um im Ernstfall eingreifen zu können. In dieser anspruchsvollen Testumgebung, welche durch viele Störfaktoren beeinflusst wird, u.a. Güterverkehr, Personenverkehr, Fußgänger und Radfahrer, können wertvolle Informationen gesammelt werden, um autonomes oder hochautomatisiertes Fahren in den Alltag zu bringen.

Projekt See-Meile: Im Rahmen dieses Projektes wird ein hochautomatisiertes Fahrzeug inklusive Begleiter im öffentlichen Raum eingesetzt und fährt eine kurze Strecke mit wenigen Stationen in Alt-Tegel. Bereits nach einem Monat wurden über 4000 Nutzer für dieses Fahrzeug registriert.

Projekt Jelbi: Hier werden bereits heute schon Mobilitätswege aus der Bündelung von individueller- und öffentlicher Mobilität in einer App angeboten. Diese finden sich dann physisch auch an einer Station (HUB) wieder. So werden z.B. „Sharing-Roller“ mit einer Bushaltestelle und/oder Carsharing-Angeboten gekoppelt, alles buchbar über eine App-Anwendung.

Keynotes und Herausforderungen

Es stellt sich die Frage, wie die Mobilitätswende, trotz der eingangs aufgezeigten Herausforderung, erfolgreich umgesetzt werden kann und welche Schwierigkeiten uns dabei erwarten. Hierzu geben wir Einblicke in die Keynotes aus den Vorträgen.

  • These 1: Die Schaffung und Optimierung von Mobilitätsketten sowie die transparente Darstellung dieser reichen allein nicht aus, vielmehr bedarf es auf Grund der Wachstumszahlen eine Verlagerung, Verringerung und Vermeidung von Teilen der Mobilität.
  • These 2: Nachhaltige Mobilitätsketten benötigen vor allem Nutzerakzeptanz. Das eigene Fahrzeug ist für viele Anwender die Mobilitätsgarantie. Zu jeder gewünschten Zeit steht die Mobilität ortsunabhängig zur Verfügung. Eine der großen Herausforderungen besteht darin, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, welche dieses Konstrukt abbilden können.
  • These 3: Barrierefreiheit: An eine intermodale Mobilitätskette ist ohne die Digitalisierung nicht zu denken. Eine Problemstellung besteht darin, dass nicht jeder Mensch in Deutschland Smartphones nutzt, welche eine Voraussetzung für die Nutzung dieser Konzepte sind.
  • These 4: Ganzheitliche Umsetzung: Aktuell ist ein flächendeckender Verkehr häufig nur innerstädtisch abgedeckt. Gerade im Speckgürtel oder in dörflichen Gegenden fehlt es an öffentlichen und individuellen Verkehrsmöglichkeiten.
  • These 6: Innerstädtischer Güterverkehr: Die stetig ansteigenden Zahlen an Güterbewegungen, im Speziellen aber die Bestellungen von sperrigen Gütern (Möbeln, Weiße Ware, Braune Ware, etc.) in Verbindung mit der Lieferung frei Verwendungsstelle im Zwei- bis Viermannhandling müssen in den Diskussionen der Mobilitätswende und Mobilitätsketten stärker miteinbezogen werden.

Der Tag der Verkehrswirtschaft mit vielen Informationen, spannenden Rednern und Projekten hat aufgezeigt, dass digital gesteuerte Mobilitätsketten von großem Nutzen für die Gesellschaft und den Verkehr sein können. Um die Mobilitätswende erfolgreich umsetzen zu können, müssen aber sowohl technische als auch gesellschaftliche Herausforderungen fokussierter angegangen werden und eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen gefördert werden.